Trauma und Sexualität: Wie kann man Nähe nach Übergriffen wieder ertragen und sogar zulassen kann. Man kann wieder lernen, Vertrauen zulassen zu können.
Viele Menschen spüren noch lange nach traumatischen Erfahrungen, dass Nähe nicht mehr selbstverständlich ist. Der Wunsch nach Beziehung und Intimität ist da, doch der Körper reagiert anders als früher. Zwischen der Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Nähe sowie Unsicherheit und Rückzug entsteht ein Spannungsfeld, das verunsichert und leider auch sprachlos macht. Aus Angst und weil wir es gerne verdrängen möchten unterdrücken wir, was wir doch gleichzeitig gerne überwinden wollen. Dieser Text richtet sich an Menschen, die verstehen wollen, warum Sexualität nach Trauma schwierig wird – und was Nähe wieder möglich machen kann.

Trauma und Sexualität: Nähe nach Übergriffen wieder zulassen
Traumatische Erfahrungen greifen tief in das Erleben von Körper, Nähe und Sexualität ein. Nach Übergriffen verändert sich nicht nur das Vertrauen in andere Menschen, sondern auch das Verhältnis zum eigenen Körper. Berührung kann Stress auslösen, Nähe kann überfordernd wirken oder wir möchten jede Nähe vermeiden. Diese Ablehnung entsteht aus der Übergriffigkeit, die ein großes Bedürfnis nach Abgrenzung und Schutz auslöst.
Viele Betroffene berichten, dass sie äußerlich funktionieren, innerlich jedoch auf Abstand gehen. Sexualität wird bis zur Übelkeit und zum Ekel ausgehalten oder kontrolliert, manchmal ganz gemieden. Der Körper meldet sich mit massiven Beschwerden, Erstarrung oder innerem Wegdriften. Das geschieht oft unabhängig vom Willen. Nähe wird nicht bewusst abgelehnt, sie wird als zu viel erlebt. Manchmal wissen wir nicht einmal, warum wir die Nähe nicht ertragen können und es kann sogar sein, dass durch einen unbewussten Trigger die Ablehnung wie aus dem Nichts kommt.
Trauma zeigt sich nicht nur in Erinnerungen in unserem Verstand, sondern vor auch deutlich im Körper. Der Körper speichert Erfahrungen und reagiert auf Situationen, die an frühere Grenzverletzungen erinnern. Gerüche, Berührungen, bestimmte Bewegungen oder auch emotionale Nähe können alte Schutzreaktionen aktivieren. Diese Reaktionen sind keine Fehlfunktion, sondern ein erlerntes Überlebensmuster.
Wenn Sexualität nicht mehr sicher ist
Nach Übergriffen verliert Sexualität häufig ihre Unbeschwertheit. Lust tritt in den Hintergrund, Kontrolle wird wichtiger. Manche Menschen spüren kaum noch etwas, andere reagieren mit starker innerer Anspannung. Auch Schuld- und Schamgefühle sind häufig. Viele fragen sich, warum sie Nähe nicht genießen können oder warum der Körper nicht „mitspielt“.
Diese Fragen richten sich oft gegen die eigene Person. Dabei liegt das Problem nicht im fehlenden Wollen, sondern in fehlender Sicherheit. Sexualität setzt voraus, dass der Körper sich sicher fühlt. Ist diese Sicherheit nicht gegeben, reagiert der Körper mit Rückzug oder Abwehr. Trauma und Sexualität - das sind Folgen von Übergriffen, die uns schwer getroffen haben.
War die Verletzung durch die Übergriffigkeit in sehr frühen Jahren ist die Unbeschwertheit nie dagewesen. Ich habe mit 18 eine Vergewaltigung erlebt. Eine von vielen Klientinnen, die sich mir geöffnet haben, hat mir mit rund 70 Jahren erzählt, dass sie noch nie Lust auf Sexualität hatte und es durch frühe schlimme Erfahrungen ihr ganzes Leben nur ertragen hat.
Jetzt ist durch die Menopause der Körper überfordert und sie kann den Penis nicht mehr ohne Schmerzen aufnehmen. Ihr Mann wünscht sich das und sie kann nicht liefern – was er von ihr möchte. Und sie will immer noch funktionieren. Ich freue mich, dass sie sich dafür öffnet, mehr als nur funktionieren zu dürfen. Das aber ist natürlich nach so vielen Erfahrungen über so viele Jahre ein nicht ganz leichter Weg, den man vorsichtig gehen muss.
Nähe und innere Schutzmechanismen
Trauma führt dazu, dass Schutzmechanismen dauerhaft aktiv bleiben. Nähe wird fast immer als potenzielle Gefahr erlebt. Das kann zu innerer Distanz, Vermeidung oder auch zu einer rein funktionalen Sexualität führen, bei der emotionale Beteiligung fehlt. So wie ich es gerade beschrieben habe. Gerüche von Schweiß oder Sperma können auch leicht extrem angewiderte Ekel Reaktionen auslösen.
Diese Schutzmechanismen haben ihren Ursprung in Situationen, in denen Grenzen überschritten wurden. Nähe wieder zuzulassen bedeutet daher nicht, Schutz abzubauen, sondern ihn neu zu regulieren. Der Körper muss lernen, dass Nähe heute anders ist als damals. Sicherheit aufbauen im Miteinander ist dabei sehr wichtig.
Vertrauen beginnt im eigenen Körper
Nähe nach Trauma entsteht dort, wo der eigene Körper wieder als verlässlich erlebt wird. Das bedeutet, Signale wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Nicht jede Berührung muss ausgehalten werden. Nicht jede Nähe ist notwendig. Wir dürfen uns in aller Ruhe nähern und Grenzen dürfen jeden Tag neu erlebt werden.
Vertrauen wächst, wenn Menschen erleben, dass sie Grenzen setzen dürfen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Kontrolle und Selbstbestimmung sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass Nähe sich wieder sicher anfühlen kann.
Beziehung nach Übergriffen
In Partnerschaften stellt Trauma oft eine große Herausforderung dar. Der Wunsch nach Nähe trifft auf Rückzug oder Abwehr. Das kann zu Missverständnissen, Verletzungen und Unsicherheit führen. Wichtig ist, dass Nähe nicht eingefordert wird. Druck verstärkt Schutzreaktionen. Wir dürfen auch nicht liefern müssen, denn auch das entfernt uns sehr leicht.
Beziehung kann dann stabil sein bzw. bleiben, wenn Verständnis für die körperlichen Reaktionen entsteht. Nähe darf neu definiert werden. Sie muss und sie darf nicht so aussehen wie früher. Manchmal beginnt sie jenseits von Sexualität, über Gespräch, gemeinsame Zeit oder klare Absprachen bzw. eine ganz sanfte Massage oder Reiki Behandlung.
Sexualität neu entdecken
Für viele Menschen bedeutet Heilung nicht, zur früheren Sexualität zurückzukehren, sondern eine neue Form von Nähe zu entwickeln. Es kann doch nicht sein, dass wir funktionieren und liefern wollen. Sexualität darf langsamer werden, klarer, nicht mehr leistungsorientiert. Sie darf Pausen enthalten und Grenzen respektieren.
Nähe kann auch ohne Sexualität existieren. Und Sexualität darf erst dann wieder Raum bekommen, wenn innere Zustimmung vorhanden ist. Dieser Prozess ist individuell und nicht messbar. Es gibt kein richtiges Tempo sondern nur ein wachsendes Gefühl, um das ertragene Trauma und Sexualität wieder zu entkoppeln
Trauma und Sexualität: Nähe zulassen ist ein sehr individueller Weg
Der Weg zurück zu Nähe verläuft in Phasen von Offenheit und Phasen von Rückzug. Beides ist Teil des Prozesses. Entscheidend ist, dass Nähe freiwillig geschieht und nicht aus Pflichtgefühl oder Angst vor Verlust.
Ein Trauma verschwindet nicht einfach. Aber es muss Nähe nicht dauerhaft unmöglich machen. Viele Menschen finden einen neuen Zugang zu ihrem Körper und zu Beziehung. Nähe darf sich verändern. Sie darf vorsichtig sein. Und sie darf Zeit brauchen. Melde dich gerne bei mir oder fordere meinen Rückruf an.
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